Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Mein Tag 1.

Es ist kurz vor neun Uhr und ich bin auf dem Weg zum Adlershof. Es ist Tag 1 des UXCamp Europe 2015 und ich freue mich schon sehr auf diesen Tag. Ich erwarte Inspirationen und interessante Gespräche.

Tickets kaufen mit der BVG App- nichts für Zartbeseidete

Aber vorher ärgert mich noch diese BVG App. Die Genervtheitsskala steigt mit jeder Benutzung an. Heute: Tickets kaufen. Der Workflow ist total willkürlich. Ich habe mir ein Ticket ausgewählt und tappe auf „Kaufen“. Dann kommt manchmal der Screen um eine Bezahlmethode auszuwählen, aber eben nur manchmal. Manchmal stürzt die App auch einfach App. Super Job, EOS Uptrade. Das ist die Entwicklungsfirma und sicher keine Unbekannte im ÖV Bereich. Ja, die Favoriten suche ich auch immer noch. Und bei der Fahrplanauskunft kann ich mir keine Zwischenhalte anzeigen lassen (oder ich habe das Feature noch nicht gefunden). Wäre schon praktisch, wenn ich die Strecke nicht kenne und es vielleicht auch mal keine Ansagen in der SBahn gibt. Aber gut. Überhaupt ist die Fahrplandarstellung sehr gewöhScreenshot_2015-06-20-09-16-31nungsbedürftig. Aber schaut selbst…Die Fahrten sind alle nebeneinander aufgelistet, wie in einer Art Kalender. Sicher meinte man hier, es sei modern und schick und ist auch mal etwas anderes aber leider nicht nutzbar. Wie kann ich denn nun auf einen Blick schnell erkennen, wann die nächste Tram / der nächste Bus fährt? Garnicht, zumal die ja auch zu Zeiten wie 7:49 fahren. Das kann ich in dieser Darstellung nicht erkennen. Auch wann ich genau ankommen werde, finde ich erst heraus wenn ich auf einen Verbindung drauf tappe. Dafür sehe ich, wie lange ich unterwegs bin. hmmm.

UXCamp 2015 startet!

Nagut, aber eigentlich will ich euch ja heute etwas mehr vom UXCamp berichten. Also, App beiseite und auf zum Adlershof. Dort angekommen ist es genauso wie vor 4 Jahren, als ich das letzte Mal dort war. Jede Menge Designer, UXer und so weiter, ein kreatives Chaos und Geschnatter. Erstmal für die Badge anstehen (die Druckerei hat da wohl gute Arbeit geleistet und sie über Nacht noch einmal produziert) und dann geht es auch schon in die Eröffnungssession. Der Raum ist bis zum letzten Platz besetzt. Nach ein paar einleitenden Worten der Organisatoren bildet sich schnell eine Schlange an Redewilligen, die ihre jeweilge Session kurz dem Publikum vorstellen. Ich kann garnicht so schnell mitschreiben, soviele interessante Themen gibt es. Leider stellt sich (wie immer) heraus, dass einige Vorträge parallel statt finden und so muss ich mich entscheiden.

Usability Testing- Myth or Truth?

Tag 1 geht los mit „Usability Testing- Myth or Truth“ mit Rolf Molich und der Aussage, dass auch Usability Professionals „usable“ sein sollen und keine ellenlangen, kryptischen Usability Reports schreiben sollen, die am Ende in der Schublade landen nachdem sie keiner gelesen hat. Und auch sonst hat er noch ein paar interessante Gedanken. Nehmen wir zum Beispiel den Mythos, dass man mit 5 Usern bereits 85% der Usability Probleme aufdeckt. Er lässt über jede dieser Aussagen, das Publikum abstimmen (rote Karte: stimme nicht zu, grüne Karte: stimme zu, gelbe Karte: 50/50). Für diese Aussage zückt er selber die rote Karte und sagt, dass das nur für sehr einfache Systeme zutrifft. Das heißt jetzt aber nicht, dass man mit 5 Nutzern nicht weiterkommt. Er formuliert die Aussage in „5 Nutzer sind ausreichend um eine aussagekräftige Iteration durchzuführen“ aber eben nicht für einen aussagekräftigen Usabilitytest. Außerdem liefert er auch nochmal eine Definition für Usabilitytests. Der Hauptbestandteil ist nämlich die Beobachtung, den Nutzer beobachten ohne einzugreifen. Das ist ein Usabilitytest, alles andere sind andere Methoden (z.B. Interviews). Und das Hauptziel des Usabilitytests ist sowieso, Probleme im zukünftigen Produkt skeptischen Stakeholdern aufzuzeigen. Jup, das stimmt wohl. Es ist echt Gold wert, den Kunden mal bei so einem Test, „Mäuschen“ spielen zu lassen und ihn mit eigenen Augen sehen zu lassen, dass seine Ideen wohl doch nicht das Wahre sind.

Multi-Device Testing bei Otto

In diesem Vortrag berichtet Julia Koch, wie sie bei Otto ein neues Usability Labor aufgebaut haben. Eine spannende Frage aus dem Publikum kommt zum Thema „Real life situation“: wie schafft man es, diese künstliche Testsituation (auch noch im Labor) realitätsnäher zu gestalten. Die Antwort ist denkbar einfach: lasst die Testpersonen doch ihre eigenen Geräte vewenden. Das geht natürlich am besten mit dem eigenen Handy. Mit dem kennen sie sich aus und können besser einschätzen ob sie diese App z.B. auf ihrem Handy überhaupt installieren würden.

Hits & Shits of the Apple Watch

Zur Apple Watch gab es auch den ein oder anderen Beitrag, ich habe mich für Frau Hölle a.k.a. Tanja Cappell entschieden. Sie hat seit einiger Zeit eine Apple Watch und berichtet von Ihren Erfahrungen.  Hier mal aufgelistet, zuerst die

Shits / Fails:

  • Sehr sehr kleines Interface
  • es sind viele Touches/Swipes nötig um ans Ziel zu gelangen
  • nicht sehr privat, sie fühlt sich wie ein Alien wenn sie die Watch in der Öffentlichkeit bedient
  • die Apps auf der Watch sind nicht unbedingt nützlich, ihre Usecases eher an den Haaren herbeigezogen
  • die Uhrzeit zeigt sie nur an, wenn man die typische „Auf-die-Uhr-schau“ Geste macht
  • features wie den eigenen Puls oder eine kleine Zeichnung an den Liebsten zu schicken sind nett, aber nur genau einmal. Dann wird es langweilig.
  • Die Uhr ist immer vom iPhone abhängig, man kann nicht das iPhone zuhause lassen, weil dann die Watch nicht funktioniert.

Hits / yeah:

  • die Watch hat einen haptic alert mit dem sie nie wieder Anrufe verpasst. es ist weniger störend als ein Vibrationsalarm.
  • sie hat das Gefühl weniger abgelenkt zu sein als beim iPhone, die App braucht weniger Aufmerksamkeit. Daraufhin kommt aber ein Kommentar aus dem Publikum, welcher genau das Gegenteil behauptet. Die Watch verlangt nach mehr Aufmerksamkeit, weil sie bei jeder Nachricht diese haptischen Alert loslässt.

Nunja, es scheint, dass die Apple Watch (im Moment??) mehr fails als yeahs hervorbringt. Mal abwarten, was die nächste Generation bringt. Ich jedenfalls trage keine Uhren, auch keine smarten.

5 UX Questions in Search of Answers

Als letzter Vortrag an diesem Tag war der phänomenale Eric Reiss am Start. Er schloss mit „5 UX questions in search of answers“. Weil er jedes Mal eine grandiose Bühnenshow hinlegt, komme ich bei ihm garnicht zum mitschreiben. Seine slides sind aber auf Slideshare zu finden 

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Das war auch schon Tag 1. Er ging sehr schnell rum. Doch halt, ganz zu Ende ist er noch nicht. Ich war am Abend noch sehr sehr lecker und günstig Essen im Asin. Danach bin ich ein bißchen durch Prenzlauer Berg spaziert und auf zur Partylocation für die Blow Out Party. Die befand sich in einer Brauerei. Leider hatte ich dann recht bald den blow out vom Wind und der Kälte bevor der Alkohol das erledigen konnte. Ich war also so kurz vor 1 wieder im Hotel. Das sind dann wirklich mal die Annehmlichkeiten einer Großstadt: zu (fast) jeder Uhrzeit nach Hause zu kommen.

Morgen gehts weiter mit Tag 2, dem letzten Tag des UXCamps 2015 und dann meinem Tag 3 beim Sightseeing in Berlin.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Mein Tag 1.

Berlin, Berlin- wir fahren nach Berlin-Mein Tag 0.

Jaaa, es ist eine Weile her aber es gibt ihn noch, den Dreierlei Blog. Und was wäre besser geeignet als ein Reisebericht über die Hauptstadt um ihn wiederzubeleben?  Das war natürlich nicht eiFernsehturmnfach so eine Touri-Tour sondern ein beruflicher Anlass, der mich nach Berlin geführt hat.

Eine Art Konferenz?

Genauer gesagt, das UXCamp 2015. Das UXCamp ist ein Barcamp, dass es in dieser Form schon einige Jahre gibt. Ich war bereits 2011 einmal dort und schon damals hat es mir sehr gut gefallen. Ein Barcamp ist keine Konferenz, obwohl ich es allen, die gefragt haben, immer als Konferenz „verkauft“ habe. Es gibt im Vorhinhein kein Programm und es gibt auch keine Zuschauer- nur aktive Teilnehmer. Das Programm wird jeweils am gleichen Tag durch alle Teilnehmer erstellt. Jeder der einen Vortrag halten möchte, stellt sein Thema kurz vor, er wird einem Raum zugeteilt und dann kann es losgehen. Und so wird aus ca. 45 Vorträge, Workshops, Diskussionen… das Tagesprogramm zusammengestellt. Eine sehr dynamische und spannende Angelegenheit.

Tag 0

Tag 0 ist der 19. Juni, mein Anreisetag und der Tag der Welcome Party. Da ich mich dieses Jahr als Volunteer gemeldet habe (und somit den Run auf die Tickets umgehen konnte), hätte ich hier meine erste Schicht gehabt- Badges an die Teilnehmer austeilen. Die Deutsche Post hat aber dem ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Badges irgendwo verbummelt. So ist meine Schicht ausgefallen und ich konnte direkt zum ersten Bier übergehen (ein Tannenzäpfle, juhu!). Übrigens sind sowohl Tickets als auch Essen / Getränke kostenlos für die Teilnehmer. Das haben wir den Organisatoren zu verdanken, die es immer wieder schaffen, eine ganze Reihe an Sponsoren für dieses Event zu finden. Echt genial!  Zum Bier gabs dann sogar noch ein leckeres Stück Pizza und die ersten netten Gespräche. Solche Anlässe sind immer ein bißchen wie ein Klassentreffen: ich treffe einige bekannte Gesichter von anderen Konferenzen / Camps und die typischen Fragen (und was machst du jetzt so?) gehen los. Ich hatte auch ein spannendes Gespräch mit einem Programmierer, der zum UXCamp geht um mehr über UX Design zu erfahren. Finde ich echt cool! Wann war denn einer von „uns“ das letzte Mal auf einer Developer Konferenz?

Feldtest BVG App

Die App die dich bewegt
„Die App die dich bewegt“ (Bild von http://www.bvg.de)

Diesen Blogbeitrag möchte ich jetzt nicht nur zu meinem Bericht über Berlin und das UXCamp nutzen sondern auch um von meinen Erfahrungen mit der BVG App zu berichten. Die BVG App ist die Fahrplanauskunft und Ticketkauf App der Berliner Verkehrsbetriebe. Ich wollte die App runterladen und mir somit Zeit an den Ticketautomaten sparen. Download und Installation ging problemlos, sogar die Anmeldung / Registrierung war per Smartphone möglich. Auf dem Weg zum Flughafen Basel habe ich mir direkt schon mal meine ersten Strecken und Tickets als Favoriten TicketsTickets kaufenaFavoritenbgespeichert mit dem Gedanken, dass ich die dann in Berlin ganz schnell aufrufen kann. Aber nichts da: die Favoriten sind so versteckt auf Unterseiten, da war ich schneller, die Verbindung nochmal aufzurufen und von dort aus das Ticket zu kaufen. Wer es genau wissen will: Ich muss unten in der Navigation auf Tickets tappen, dann oben auf den Button „Ticket kaufen“ und dann erscheint auf einmal der Favoriten-Stern. Wenn ich den wiederum auswähle, lande ich auf der Seite meiner Favoriten. Nur drei Taps um eine eigentlich  als Shortcut gedachte Funktion zu erreichen. Aber das war nicht das letzte Erlebnis, was ich mit dieser App hatte- eine App, die mich wirklich bewegt. Und sie ist auch nur noch installiert, weil ich ein paar Screenshots für diesen Beitrag machen wollte.

Morgen geht es weiter mit „Tag 1“ und meinen ersten UXCamp Eindrücken.

Berlin, Berlin- wir fahren nach Berlin-Mein Tag 0.